Sprache ist mehr als ein Kommunikationsmittel. Sprache lenkt unsere Wahrnehmung und beeinflusst unser Handeln. Besonders in Krisen. Darüber diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen. Denn Worte transportieren nicht nur Informationen. Sie lösen auch Prozesse im Gehirn aus. Begriffe wie "Gefahr" oder "Sicherheit" aktivieren unterschiedliche neuronale Netzwerke. Allein die Begriffe können uns unter Stress setzen oder entspannen. Und so beginnt die Wirkung von Sprache schon auf der Ebene der Sinnesverarbeitung: Jedes Wort ruft Assoziationen hervor, die in komplexen neuronalen Mustern gespeichert sind. Diese Muster beeinflussen unsere Emotionen und wie wir Entscheidungen treffen. Sprache hat die Macht, Empathie zu fördern, aber auch Vorurteile und Aggression zu verstärken. Wiederholte sprachliche Reize können sogar die Struktur des Gehirns verändern. Sprache ist damit nicht nur Ausdruck unseres Denkens, sondern ein wichtiger Faktor bei der kognitiven Entwicklung. Dieser "Framing-Effekt" wird heute in vielen Bereichen gezielt eingesetzt: zum Beispiel in der Werbung, um Einfluss auf das Konsumverhalten zu nehmen, und in der Politik, um politische Botschaften zu transportieren und gezielt Stimmungen zu erzeugen. In einer Welt allgegenwärtiger Kommunikation auf verschiedensten Ebenen wird das Wissen um die Macht der Sprache und ihrer Wirkung auf das Gehirn immer wichtiger. Gäste: Lea Dohm ist Psychologin, Psychotherapeutin und Beraterin für Transformation. Zudem arbeitet sie als Autorin und Journalistin. Sie beschäftigt sich mit den psychologischen Dimensionen gesellschaftlicher Krisen. Lea Dohm ist Mitbegründerin der Initiative "Psychologists for Future". Nicole Gotzner ist Professorin für Psycho- und Neurolinguistik an der Universität Osnabrück. Sie forscht zu den komplexen Hintergründen während der Kommunikation und bei der Verarbeitung von Sprache bei Kindern und Erwachsenen. Ihr Forschungsansatz verknüpft Linguistik, kognitive Neuro- und Sozialpsychologie. Franca Parianen ist Neurowissenschaftlerin. Nach einigen Jahren in der wissenschaftlichen Forschung, unter anderem am Max-Planck-Institut, arbeitet sie heute als Wissenschaftskommunikatorin und Autorin von Büchern, Fachartikeln und Bühnenprogrammen. Ihr thematischer Schwerpunkt liegt auf der sozialen Kognition: Empathie, Kooperation, Konfliktverhalten und soziale Wahrnehmung.